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Das frühe Mittelalter
Wenn wir uns mehr als tausend Jahre in der Geschichte
zurückversetzen, dann gelangen wir in das Jahr 874, in die Zeit
des frühen Mittelalters, die Zeit der fränkischen
Vorherrschaft, die Regierungszeit Ludwigs II, des Deutschen, der als
Enkel Karls des Großen nach der Reichsteilung von 843 bis 876
König des ostfränkischen Reiches war. Unsere Heimat sah zu
der damaligen Zeit noch völlig anders aus. Weite Teile unseres
Landes waren mit dichten, fast undurchdringlichen Wäldern bedeckt,
nur unterbrochen von Seen, Flussläufen und wenigen steppen artigen
Distrikten.
Die Bäche und Flüsse - so wohl auch die Werra (811 als
Wiseraha bezeichnet) - führten noch wesentlich mehr Wasser. In den
breiten Flussauen waren sie häufig in mehrere stark
mäandrierende Arme aufgespalten, überschwemmten bei
Hochwasser weite Teile des Tales und hinterließen große
sumpfige Gebiete. Einfache Flussregulierungen wurden erst später
durchgeführt. Die Bevölkerungsdichte war noch sehr gering, da
wo heute etwa 250 Menschen auf einem Quadratkilometer wohnen, waren es
damals gerade 8 bis 10.
Die vereinzelt liegenden, kleinen Siedlungen oder
Herrensitze / Gutshöfe waren meist auf den hochwasserfreien
Uferterrassen oder an Berghängen und Waldrändern angelegt
worden, besonders dort, wo Quellen oder klare Bäche für
frisches Trinkwasser sorgten. Die Menschen lebten vorwiegend von der
Landwirtschaft.
Seit Ende der Völkerwanderungszeit hatte das Volk
der Franken, von Gallien her kommend, weite Teile des heutigen
Deutschland erobert, so auch die Siedlungsgebiete der Chatten (Hessen)
und Hermanduren (Thüringer) und schließlich auch der Sachsen.
Sie brachten neue Gesetze mit, beschnitten stark die
Rechte der bisherigen Stammesherzöge und setzten zur Verwaltung
des Landes Grafen ein, die durch Königsboten kontrolliert wurden.
Zur Zeit Karls des Großen (758 - 814) wurde in der Landwirtschaft
die fortschrittliche Dreifelderwirtschaft eingeführt, bei der sich
Wintergetreide, Sommergetreide und Brache im dreijährigen Wechsel
ablösten. Besonders durch die Ruhephase im dritten Jahr konnten
höhere Erträge als bisher erwirtschaftet werden. Da jedoch
das Land nicht Eigentum der Bauern war, sondern von weltlichen oder
geistlichen Grundherren geliehen war (Lehnswesen), mussten laut
"Zehntgebot” Karls des Großen von 779 an diese Herren
Abgaben in Form von Naturalien ("Zehnt") geleistet werden.
Die erstmalige urkundliche Erwähnung
während
der fränkischen Zeit, besonders ab dem Jahr 700, kamen
iro-schottische und angelsächsische Mönche als Missionare in
unser Land, unter ihnen z.B. Bonifatius, Sturmius und Lullus. Sie
christianisierten die heidnische Bevölkerung, gründeten
Klöster (z.B. Fulda 744 und Hersfeld 769/75) und Bistümer.
Als Bonifatius im Jahr 745 Erzbischof von Mainz wurde, kamen viele
Ländereien in den Besitz dieses Bistums; aber auch die
Klöster Fulda und Hersfeld hatten zahlreiche Besitzungen in
Hessen/Thüringen. Da diese Besitzungen nicht zusammenhängend
waren, sondern oft weit zerstreut lagen und nicht genau abgegrenzt
waren, kam es zwischen den Grundherren oft zu Besitzstreitigkeiten; so
auch in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts zwischen dem
Bi-schof Luitbert von Mainz und dem Abt Sigishard von Fulda. Dieser
Streit nun soll von König Ludwig II, dem Deutschen, dadurch
beigelegt worden sein, dass er am 18. Mai 874 (oder 876*) auf dem
Reichstag zu Ingelheim in einer Urkunde die Orte Diddorf (Diedorf),
Heldron (Heldra), Brusloh (Burschla), Folgereshusen
(Völkershausen), Katebure (Katharinenberg), Snelmundeshusen
(Schnellmannshausen) und noch über einhundert weitere dem Kloster
Fulda zusprach. Heldra ist also seit 1125 Jahren urkundlich bekannt;
wie lange es allerdings schon vorher existiert hat (der Name deutet auf
vorfränkische Zeit hin) und wie es ausgesehen hat, liegt im Dunkel
der Geschichte; vermutlich hat hier ein Herrenhof gestanden, von dem es
sich lohnte, einen "Zehnt" zu beanspruchen.
( *): In der Abschrift der Urkunde, die
1160 von dem Fuldaer Mönch Eberhard angefertigt wurde, wird die
Jahreszahl 874 angegeben; die neuere Geschichtsforschung jedoch
hält das Jahr 876 für wahrscheinlicher.)
Das hohe Mittelalter
Die Mitte des 13. Jahrhunderts, die Zeit des ausgehenden
"Hohen Mittelalters", die Zeit der Ritter und der Burgen, ist für
Heldra noch einmal von geschichtlicher Bedeutung.
Am 16. Februar 1247 starb auf der Wartburg Heinrich
Raspe, Landgraf von Thüringen und Hessen, kinderlos. Mit ihm starb
das Geschlecht der Ludowinger in männlicher Linie aus. Mehrere
Bewerber erhoben Anspruch auf das Erbe: der Markgraf Heinrich von
Meißen, Graf Hermann von Henneberg, die Grafen von Anhalt, Herzog
Albrecht von Sachsen-Wittenberg und schließlich Herzog Heinrich
II von Lothringen und Brabant (Ehemann von Sophie, der Tochter der
heiligen Elisabeth).
So kam es zum thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg
(1247 - 1264) nach dessen Beendigung die thüringischen Gebiete an
Heinrich den Erlauchten von Meißen fielen, den hessischen Teil
konnte Sophie für ihren Sohn Heinrich das Kind erstreiten.
Diese kriegerischen Auseinandersetzungen der
"Großen" führten dazu, dass auch die kleinen Herren
versuchten, ihre Besitzungen zu erweitern oder wenigstens zu sichern.
Eine rege Burgeinbautätigkeit setzte ein. So begannen auch die
Treffurter Ritter, zu deren Besitz damals Heldra gehörte, zur
Sicherung ihres Territoriums - in Gemeinschaft mit den Eschweger Herren
- in Heldra 1247 eine Burg zu errichten. Da die Treffurter jedoch 1248
besiegt und gefangengesetzt wurden, blieb die Burg unvollendet und
musste ein Jahr später sogar abgerissen werden. Nur der Burgturm
blieb in einer Höhe von ca. 9 Metern stehen.Im Inneren dieses
Turmes soll schon sehr bald ein kleiner Kirchenraum eingerichtet worden
sein.
Während dieser Zeit existierte neben Heldra noch
ein größeres Kirchdorf namens Helderbäche = Hellerbach
nahe der Kreuzung der heutigen B 250 und der Landstraße
Heldra-Wendehausen. 1365 wurden Heldra und Hellerbach nebeneinander
urkundlich erwähnt. Aber bereits 1404 wird in der Kirchenchronik
Hellerbach als "wüst" bezeichnet. Die nahe Durchgangsstraße,
die in Kriegszeiten auch als Heerstraße diente, sowie Krankheiten
und Seuchen, wie die Pest, mögen dazu beigetragen haben, dass die
Bewohner Hellerbachs ihren Ort verließen und sich im nahen, aber
etwas abgelegeneren Heldra ansiedelten. Steine für die Grundmauern
ihrer Häuser waren vom Abriß der Hellerburg noch reichlich
vorhanden. Die letzten Steine wurden erst 1609 nach Wanfried verkauft,
wo sie zum Bau des Bonifatius- (Ober-)tores Verwendung fanden.
Durch die anwachsende Bevölkerung Heldras wurde der
Kirchenraum im Turm zu klein. So ließ die Adelsfamilie von
Erf(f)a, seit etwa 1300 Besitzerin des Gutes, an den Turm ein kleines
Kirchenschiff bauen. Dieses hat über 400 Jahre seinen Zweck
erfüllt und wurde erst 1845 durch einen Neubau ersetzt; der
Burgturm war Kirchturm geworden.
Neben dem "Erf(f)a'schen Gut lag gegenüber noch ein
Gutshof, den im 18. Jahrhundert eine Familie von Grot(t)hausen
besaß. Die jetzt noch stehenden Wohnhäuser beider Güter
sind in den Jahren 1520-21 neu erbaut worden und haben den
30-jährigen Krieg gut überstanden. Weniger gut dagegen die
Heldraer Bevölkerung, die auf 15 Familien und 6 Witwen
zusammengeschrumpft war und in ärmlichsten Verhältnissen
lebte. Die Namen der überlebenden Haushaltsvorstände waren
laut Chronik:
Ewald Müller, Ludwig Müller, Johann Müller, Hans Wagner,
Kaspar Wagner, Hans Hentrich, Kaspar Moitz, Konrad Moitz, Daniel Heuse,
Siemon Schadewohl, Simon Steube, Adam Strassel, Hans Hermann und Hans
Hosell.
Die Schule in Heldra
Nahe bei der Kirche steht heute noch das
"Alte Schulhaus". Bereits 1520 soll es in Heldra ein Schulhäuschen
gegeben haben. Das jetzige Wohnhaus trug, als man es im Jahr 1892
überputzte auf einem Balken die Jahreszahl 1707 oder 1767. Der
Unterricht fand wohl zunächst in einem Zimmer des Wohnhauses
statt. Als es dann für die wachsende Kinderzahl zu klein wurde,
baute man in 1869/70 einen größeren Schulsaal an die
Ostseite des Gebäudes an.
Fast hundert Jahre wurde in ihm
unterrichtet. Doch als nach dem 2. Weltkrieg die Bevölkerungszahl
Heldras durch Evakuierte, Heimatvertriebene und Flüchtlinge stark
zunahm, beschloss man, einen Neubau zu errichten. 1949/50 wurde dann am
Weinberg eine zweiklassige Schule gebaut, die "Alte Schule" wurde
verkauft. Bereits 1968 schloß diese Schule wieder ihre Pforten,
die Schüler besuchten und besuchen noch heute die
Mittelpunktschulen in Wanfried oder andere weiterführende Schulen.
In dem Schulgebäude wurde ein Kindergarten eingerichtet, und die
Gemeindebücherei hat in ihm Platz gefunden.
Berühmte “Söhne” Heldras
Im Jahr 1611
stiftete die Familie von Erf(f)a der Heldraer Kirche einen
Abendmahlskelch. In diesen sind die Namen Franke, Hiese, Motz, Neut und
Steube eingraviert. Zwei dieser Namen haben "Geschichte gemacht".
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